Toter Pottwal auf Sylt geborgen
Der im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer tot angetriebene Pottwal wurde am 17. Februar in Hörnum auf Sylt aus dem Meer geborgen und für den Abtransport und weitere Untersuchungen vorbereitet.
Der 14,3 Meter lange Pottwalbulle wurde bei auflaufendem Wasser auf den Strand nahe des Hörnumer Hafens gezogen. Der tot im Meer treibende Pottwal war am Freitag, 14. Februar, in der Nähe von Sylt gesichtet worden. Am Samstag wurde er von einem Muschelfischer in den Hörnumer Außenhafen geschleppt und dort vertäut.
Aufgrund des fortgeschrittenen Verwesungszustandes ging von dem toten Körper eine Explosions- und Infektionsgefahr aus. Aus Sicherheitsgründen sperrten die Nationalparkverwaltung Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer mit ihrer örtlichen Nationalpark- Rangerin und ihrem Netzwerk den Lagerort ab und informierten Interessierte vor Ort.
Der verweste Kadaver wurde vor Ort von einer Fachfirma zerlegt, um ihn in Containern zur Tierkörperverwertungsanlage in Jagel zu transportieren. Dort wurden die sterblichen Überreste durch die Tierärztliche Hochschule Hannover untersucht und Proben entnommen, um mehr über den Zustand des Tieres und die mögliche Todesursache zu erfahren.
Die Auswertung der Proben ergab: »Der Wal ist durch sein eigenes Gewicht erstickt«, erklärt der in Büsum ansässige Meeresbiologe Dr. Joseph Schnitzler vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Tierärztlichen Hochschule Hannover.
»Der Pottwal hat sich ins flache Wasser der Nordsee verirrt und das war sein Todesurteil«, so Schnitzler. Denn: »Pottwale haben kein Brustbein, die Rippenbögen liegen frei. Im flachen Wasser vor Sylt ist er quasi durch sein eigenes Körpergewicht erstickt.« Schnitzler schätzt das Alter des toten Wals auf mindestens 15 Jahre. Er sei normal genährt und rund 20 Tonnen schwer gewesen, so der Wissenschaftler.
Weitere Untersuchungen des toten Tiers laufen noch. So sei in nächster Zeit unter anderem noch mit den Ergebnissen einer toxikologischen Untersuchung des Wal-Kadavers zu rechnen. Warum genau sich der Pottwal in die flachen Gewässer vor Sylt verirrt hat, ist nicht abschließend geklärt. Mögliche Ursachen der Verirrung des Wals könnten laut Professor Schnitzler der Klimawandel, gestörte Magnetfelder und der Schiffsverkehr gewesen sein. »Pottwale sind es gewohnt, sehr tief zu tauchen, sie orientieren sich über Schall, ähnlich wie Fledermäuse.« In dem für ihn fremden Gewässer der Nordsee vor Sylt soll das »Navigationssystem des Tieres durch viele Reize gestört worden sein. Das ist vergleichbar, wie wenn man als Autofahrer mit Fernlicht durch eine Nebelbank fährt.« Wir, das Erlebniszentrum Naturgewalten, lassen derzeit den Unterkiefer des Wals auf dem Festland präparieren und planen, diesen gemeinsam mit dem Zwergwalskelett aus 2014 in unserer neuen Ausstellung zu zeigen.
Die Planungen für den Umbau laufen bereits. Die Fertigstellung ist für den Winter 2027/2028 geplant.
